Der Blindenführhund
Geschichte
Aus der Antike und dem Mittelalter gibt es Abbildungen von blinden Menschen mit einem Hund an ihrer Seite. Ab dem 18. Jahrhundert gibt es schriftliche Aussagen über Hunde die ihre blinden Besitzer führen.
Bereits 1916 wurde in Oldenburg die erste Blindenführhundschule der Welt gegründet um die vielen Kriegsblinden mit Führhunden zu versorgen.
Aufgaben
Die Aufgaben eines Blindenführhundes sind vielfältig und anspruchsvoll. Dazu gehört neben dem Führen inklusive Richtungsänderungen und dem Anzeigen von Bordsteinkanten auch das Suchen und Anzeigen von Ein- und Ausgängen, Ampeln, Aufzügen, Schaltern/Automaten, Bank bzw. einem freien Sitzplatz sowie auch Zebrastreifen.
Der Hund muss seitliche Hindernisse wie auch Höhenhindernisse (wo der Hund drunter durch laufen könnte, der Mensch jedoch nicht) erkennen und umgehen, Bodenunebenheiten langsam passieren.
Besonders anspruchsvoll ist die intelligente Gehorsamsverweigerung: Der Hund soll trotz Kommando des Blinden einen Abgrund oder die Überquerung der Straße wenn sich ein Fahrzeug nähert verweigern. Auch Rolltreppen soll der Hund aufgrund der Verletzungsgefahr für Mensch wie Hund verweigern.
Mehr als nur ein Hilfsmittel
Ein Blindenführhund kann nicht wie andere Hilfsmittel nach Gebrauch einfach in die Ecke gestellt werden. In erster Linie ist auch ein Blindenführhund immer noch ein Hund. Um gute Arbeit leisten zu können muss er artgerecht gehalten und gut versorgt werden. Er benötigt ausreichend Ruhephasen und Ausgleich zur Arbeit durch Freilauf und Spiel mit Artgenossen oder seinem Halter.
Der Blinde vertraut seinem Hund sein Leben an. Der Hund ist für den Blinden ein Freund und Vertrauter, ermöglicht ein Stück Selbstständigkeit und erleichtert das Knüpfen sozialer Kontakte.
Rassen, Aufzucht, Eignung
Die am häufigsten verwendeten Rassen sind heute Labrador Retriever, Deutscher Schäferhund, Großpudel und Labradoodle (Labrador X Pudel). In einigen Fällen werden, oft auf Wunsch des Blinden, auch Hunde anderer Rassen ausgebildet.
Die meisten Blindenführhundschulen züchten selbst oder kaufen Welpen. Seltener werden auch jährige Hunde von Züchtern oder Privatleuten angekauft.
Im Alter von 8 – 10 Wochen kommt der Welpe zu einer Patenfamilie und bleibt dort für ca. 1 Jahr. In dieser Zeit wird er mit diversen Reizen, wie z.B. Verkehrslärm, verschiedene Untergründe und öffentlichen Verkehrsmitteln vertraut gemacht. Hat häufig Kontakt zu verschiedenen Menschen und gut sozialisierten Artgenossen und lernt auch andere Tiere kennen. Außerdem wird der Grundgehorsam erarbeitet und der Hund lernt alltäglich Dinge wie Stubenreinheit, Allein bleiben, etc.
Vor Beginn der Ausbildung werden die ca. einjährigen Hunde auf Wesen und Gesundheit überprüft. Hunde die eine Erkrankung der Gelenke, des Herz-Kreislauf-Systems oder der Augen haben, aggressiv oder ängstlich reagieren sind nicht geeignet.
Die Ausbildung eines Blindenführhundes
Die Ausbildung dauert in der Regel zwischen 6 und 10 Monaten. Dabei wird der Grundgehorsam perfektioniert, der Hund lernt das Führen unter steigender Ablenkung und Schwierigkeit. Die so genannte intelligente Gehorsamsverweigerung folgt erst wenn die Führleistung bereits recht zuverlässig und der Hund sicher ist. Zum Ende der Ausbildung lässt der Ausbilder sich dann auch blind führen.
Die meisten Führhundtrainer arbeiten vorwiegend mit positiver Verstärkung, da es jedoch keine anerkannte Ausbildung für Führhundtrainer gibt und keine Mindestqualitätskriterien festgeschrieben sind, gibt es auch „schwarze Schafe“ die Hunde mangelhaft und/oder mit aversiven Methoden ausbilden.
Zusammenführung
Nach Abschluss der Ausbildung folgt die Zusammenführung von Hund und Blindem. Während der ca. 3-wöchigen Einarbeitung lernen Hund und Halter einander kennen und vertrauen. Der Halter lernt während der Einarbeitung nicht nur alle Kommandos der Führarbeit sondern auch das Verhalten zu deuten, seinen Hund zu pflegen und Krankheiten zu erkennen.
Über den starren Führbügel werden auch kleinste Bewegungen des Hundes übertragen und somit kann das Verhalten des Hundes vom Blinden gedeutet werden.
Bis der Führhundhalter und sein Hund ein eingespieltes Team sind vergehen einige Monate.
Gespannprüfung
Nach der Einarbeitungszeit, oder auch erst nachdem der Führhund einige Wochen oder Monate bei dem Blinden lebt, absolviert das Team eine Gespannprüfung. Dabei werden sowohl die Führarbeit des Hundes als auch der Blinde getestet. Wichtig ist dass Mensch und Hund ein Team geworden sind und sich sicher im Alltag bewegen können.
Rechtslage, Finanzierung, Sonderrechte
Ein Blindenführhund ist von Rechts wegen als Hilfsmittel anerkannt, die Kosten von 20.000 € und mehr werden von den Krankenkassen übernommen. Obwohl jeder Blinde in Deutschland Anspruch auf einen Führhund hat versuchen Krankenkassen manchmal diesen Anspruch abzulehnen.
Blindenführhunde haben das Sonderecht ihre Halter in öffentliche Gebäude, zum Arzt, in Lebensmittelgeschäfte, etc. begleiten zu dürfen.
Verhaltensregeln im Umgang
Man sollte einen Führhund nicht erschrecken, locken, anfassen, füttern oder sonst wie von seiner Arbeit ablenken. Man erleichtert dem Gespann seinen Weg zu finden in dem man selbst etwas ausweicht und damit den Weg frei gibt. Seinen Hund sollte man anleinen und mit etwas Abstand vorbei führen - ein freilaufender Hund der Kontakt zum Führhund aufnimmt gefährdet die Sicherheit des Blinden.
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